Kandy

Nach der obligatorischen Nacht in Colombo reisten wir ins sogenannte Hochland. Am einfachsten und bequemsten (zumindest in der 1. und 2. Klasse) geht das mit dem alten ratternden blauen Zug, der jeden Morgen Colombo in Richtung Inselinneres verlässt. Wir konnten vorab wie beschrieben Tickets für die 2. Klasse reservieren. Hier sind die Sitze gepolstert und an der Decke hängen Ventilatoren, die zum Teil sogar funktionieren. Die geöffneten Fenster sind nicht nur praktisch, um die vorbeiziehende Landschaft zu bewundern, sondern sollten auch einen Luftdurchzug ermöglichen. Leider saßen wir im „toten Winkel“ und gerade der Ventilator über uns drehte sich nicht in unsere Richtung, sodass die Fahrt ziemlich stickig wurde. Dennoch gehört eine Zugfahrt zum Sri Lanka Urlaub dazu und man wird mit stellenweise tollen Szenen belohnt. Die 3€ pro Person für die insgesamt 2,5-stündige Fahrt sind daher gut angelegtes Geld.



Unser Ziel war Kandy, die letzte ehemalige Königsstadt bevor die Briten den damaligen Herrscher zum Abdanken zwangen. Für einen Überblick über die Stadt besuchten wir den Big Buddha, der wie ein großer Wächter auf einem Hügel thront.



Die Hauptattraktion in Kandy ist der Sri Dalada Maligawa, der Palast des heiligen Zahnes, der am Ufer des Kandy Lake aufragt. Hier soll angeblich ein Zahn Buddhas liegen. Den teuren Eintritt für eine Besichtigung der Reliquie sparten wir uns aber, da der Behälter sowieso nur zu Zeremonien geöffnet wird. Stattdessen schlenderten wir auf Socken durch die großzügige und schöne Parkanlage.


Abends besuchten wir noch den traditionellen Kandyan Dance, bei dem eine Stunde lang Volkstänze zu Trommelmusik und Flöte zum Besten gegeben werden. Teilweise war sogar etwas Akrobatik dabei. Wir fanden es ganz nett, allerdings nicht atemberaubend … eher eine Touristenabzocke (auf die auch wir reingefallen sind).


Die Umgebung von Kandy bietet ebenfalls allerhand Sehenswertes. Wir erkundeten diese via Tuk Tuk. Unser Fahrer zeigte und erklärte uns alles, was er wusste und so war der meistgehörte Satz an diesem Tag „can you spot that …/ könnt ihr … sehen?“. Dann zeigte er auf Bäume, Blumen, Früchte oder auch Gebäude und Landschaft und teilte uns sein Wissen mit. Zum Beispiel sahen wir Avokados, Mangos, Guaven, Granatäpfel, Kokosnüsse und vieles mehr am Baum hängen.

In einer Teefabrik wurde uns gezeigt, wie aus den Blättern Schritt für Schritt Tee hergestellt wird: zunächst wird getrocknet, dann sortiert, je nach gewünschter Sorte und Stärke gemahlen, fermentiert, wieder sortiert, … bis am Ende ein leckerer schwarzer Ceylon Tee aufgegossen werden kann.



Im Kräuter und Gewürzgarten hatten wir anschließend Glück und wurden vom „Professor“ höchst persönlich herumgeführt. Er sprach sogar fließend deutsch und klärte uns bei einem leckeren Kräutergetränk über sämtliche naturheilkundliche Mittel und deren Anwendung bei den verschiedensten Krankheiten und Problemen auf.

Das Beste an diesem Tag war jedoch der Besuch im Elephant Millenium, einer Auffangstation für vernachlässigte und missbrauchte Elefanten (das ist die offizielle Variante, es geht aber sicher auch um die Touristen). Was uns besonders gut gefallen hat, war das Angebot mit einem Elefanten Spazieren zu gehen, statt ihn zu reiten. Es war einfach faszinierend die Elefantendame Puja vor uns her trotten und mal hier, mal da von Gräsern naschen zu sehen. Von einem Guide haben wir dazu viele Informationen zu Elefanten allgemein und ihrer Organisation bekommen. Danach konnten wir Puja im Fluss mit Kokosnussschalen abschrubben. Diese Abkühlung kam auch uns an dem 36 Grad heißen Tag sehr gelegen. Wir haben die Begegnung mit den Dickhäutern sehr genossen.



Zuletzt waren wir in der angrenzenden Fabrik mit einer ganz speziellen Idee – sie stellen aus Elefantendung (Aa, Kot, Mist … wie auch immer man will) Papier her. Dies geht sogar relativ schnell und scheint eine toll Verwertung von „Mist“ zu sein. Von der Qualität des Ergebnisses konnten wir uns selbst überzeugen:

Hier noch kurz der angekündigte Faux-Pax: Nach 4 Tagen in Kandy sollte es als nächstes in eine weitere Stadt gehen, die auf der Bahnstrecke liegt. Als uns am Bahnhof am ersten Schalter erzählt wurde, alle Tickets wären für einen Monat im Voraus ausverkauft, dachten wir an die Situation in Colombo zurück, glaubten es nicht und versuchten es einfach nochmal am Schalter nebenan. Leider lehnte sich der Mitarbeiter zurück, redete kurz mit jemandem, um uns dann nur vorwurfsvoll zu sagen „das habt ihr eben schon meinen Kollegen gefragt“ und uns ab da zu ignorieren. Deshalb gab es leider keine weitere Zugfahrt für uns. Auf eine 6-stündige Fahrt in der 3. Klasse, mit etwas Pech im Stehen (mit den Rucksäcken), hatten wir nämlich keine Lust.
Spoileralarm: wir haben es trotzdem nach Ella geschafft. Mehr dazu im übernächsten Beitrag 🙂

3.880 Kommentare

  1. Servus Lena und Max..
    toll wieder “live” dabei zu sein auf eurer Reise. Wie immer sehr unterhaltsam und informativ von Euch geschrieben. Das macht Lust auf mehr und endlich auch wieder auf Reisen zu gehen. Bissal muss ich noch warten…
    Ich bleibe dran und freu mich auch den nächsten Eintrag.
    Viel Spass…viel Sonne…viele nette Menschen und Eindrücke die man nie im Leben vergisst wünscht euch Christa Danzl

  2. Tolle Bilder und ein super Bericht. Ich wünsche euch gute weiterreise ohne sture bahnbeamten. Geniesst das Wetter, bei uns ist es trüb. Ich denk an euch. Liebe Grüße aus uffenheim

  3. Da erlebt ihr zwei ja wieder super schöne Landschaft und Tiere. Die Ur-Einwohner muss man halt nehmen wie sie kommen. Wünsche euch noch viel Spaß und gute Laune und schön weiter schreiben und knipsen! Alles liebe Heidi

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